English

FREITAG, 4. SEPTEMBER 1970

CRAVINKEL
(Gert Krawinkel - git / Rolf 'Mick' Kaiser - bass/Klaus George Meier -git / Achim Bierly-dr)
BURNING RED INVANHOE
(Ole Fick-voc,git / Kim Menzer-voc, flute / Karsten Vogel - cax, org / Jess Stæhr - bass / Bo Thrige Andersen - dr)
FOTHERINGAY
(Sandy Denny - voc, git / Trevor Lucas - voc, git / Jerry Donahue - git / Gerry Conway - dr / Pat Donaldson - bass)

RENAISSANCE (abgebrochen)
(Michael Dunford - git / John Hawken - keys / Neil Korner - bass / Terry Crowe - voc / Terry Slade - dr / Jane Relf - voc)

TASTE (abgesagt)

(Rory Gallagher - voc,git / Richard McCracken - bass / John Wilson - dr)

CACTUS (abgesagt)
(Tim Bogert - bass / Carmine Appice - dr / Jim McCarty - git / Rusty Day - voc)
COLOSSEUM (abgesagt)
(Jon Hiseman -dr / Dick Heckstall-Smith - sax / Dave Greenslade - keys / Chris Farlowe - voc / Mark Clarke - bass / Dave Clempson - git)
JOHN SURMAN TRIO
(John Surman - sax / Barre Phillips - bass / Stu Martin - dr)

 

(click on the pictures to enlarge...)

more hippies arriving....
bikers security...

Freitag war es stürmisch und es regnete ununterbrochen. Um die Mittagszeit strömten die Besucher massenhaft zu Fuß auf das Festivalgelände, wo sie die „Eingangskontrolle“ der alkoholisierten und mit Ketten und Messern bewaffneten Rocker über sich ergehen lassen mussten. Leute wurden getreten und verhöhnt, Autos mit Tritten beschädigt, von den Besuchern mitgebrachter Alkohol von den selbsternannten „Ordnern“ konfisziert. Kurz vor Beginn des Festivals erschien Beate Uhse mit ihren drei Söhnen, machte Werbung für ihr Unternehmen und gab Autogramme..

festival area Friday afternoon
Beate Uhse in the crowd

Alexis Korner, der als Moderator die Fans in deutsch und englisch in den nächsten drei Tagen durch das Programm führen sollte, eröffnete das Konzert mit einer halben Stunde Verspätung gegen 16:30 Uhr. Wie sich herausstellte, sollte Alexis während des Festivals weitmehr als nur ein Ansager sein. Immer wieder mußte er, um lange Pausen zu überbrücken, einige Lieder auf seine Gitarre zum Besten geben, die Zuschauer vertrösten, und versuchte Good Vibrations zu verbreiten. Gleichzeitig kümmerte er sich backstage um die Künstler. Es gab niemanden dort, der auch nur annähernd eine Übersicht über die Lage zu haben schien.

Als erste Gruppe spielten Cravinkel aus Deutschland, mit dem Gitarristen Kalle Kranwinkel, später bekannt geworden durch TRIO. Wie der Ansage zu entnehmen war, war dies erst das zweite Mal, daß die Gruppe überhaupt zusammenspielte, und man bat die Zuschauer um Verzeihung, falls "es mal nicht klappen sollte". Leider war das nicht das einzige Problem von Cravinkel: Ihr Auftritt ging in Tonproblemen unter. Die Tontechniker hatten massive Probleme, die Anlage zum Laufen zu kriegen, und kämpften gegen starke Windböen.

ein kurzer Ausschnitt vom Cravinkel Konzert auf Fehmarn (mp3)



Nach Cravinkel betrat die dänische Jazzrockformation BURNIN RED IVANHOE die Bühne. Es waren viele ihrer Fans im Publikum, und die Gruppe spielte ein recht erfolgreiches Konzert, doch leider fing es wieder an zu regnen, und das Wetter verschlechterte sich zusehends während des Auftritts. Auch die nachfolgende Band FOTHERINGAY mit der Sängerin Sandy Denny litt unter dem schlechten Wetter. Roadmanager Ford Crull erinnert sich:
"Die ganze Bühne war total naß! Sandy bekam immer wieder heftige Stromschläge vom Mikrofon. Die Lage schien aussichtslos...."
. Nach einiger Zeit wurde die Situation unerträglich, die gesamte Wiese vor der Bühne versank im Schlamm, und alle Aktivitäten auf der Bühne mußten über Stunden hinweg ausfallen. Die Menge versuchte Schutz zu suchen unter Plastikplanen und ähnlich improvisierten Zelten, doch es war aussichtslos, überall war nur noch Wasser.



Zur selben Zeit herrschte backstage und im Organisationszentrum totales Chaos. Wegen der Verzögerungen konnten TASTE nicht länger warten und reisten wieder ab. Sie hatten noch ein anderes Konzert. COLLOSEUM steckten mit einer Autopanne im Stau fest, und die Gruppe CACTUS war gar nicht erst angereist. GINGER BAKERS AIRFORCE, eigentlich für heute angekündigt, wurden aufgrund des Regens auf den nächsten Tag verschoben. Alexis Korner bemühte sich redlich, den Leuten die Absagen schonend beizubringen, aber auch ihm war klar, daß damit drei wichtige Topacts für heute verloren gegangen waren. Das Publikum reagierte durchwachsen, aber viele äußerten schon die Vermutung, daß bei der Organisation des Festivals wohl einiges versäumt worden war. Die Organistoren versuchten fieberhaft das Festival am Laufen zu halten, sie versuchten sogar einen Helikopter für Colloseum anzufordern, doch das Wetter, Stromausfälle auf der Bühne und der, wie Veranstalter Ferdinand selber saget, "mittlerweile offene Krieg zwischen Persern und Rockern" machten Ihnen einen Strich durch die Rechnung.

Es regnete immer noch heftig, als der Versuch unternommen wurde, den Auftritt von RENAISSANCE stattfinden zu lassen, doch aufgrund des schlechten Wetters wurde auch dieser Auftritt abgebrochen. Es folgte eine lange Pause, auf der Bühne stand das Wasser.

Schließlich betrat JOHN SURMAN die Bühne. Sein Jazz fand jedoch nicht sehr viel Beachtung. Was aber auch daran lag, daß es wieder angefangen hatte zu regnen.

Um 23:00 betrat Alexis Korner die Bühne und erklärte den ersten Festivaltag für beendet:"Es tut uns leid, aber es geht nicht mehr...!". Es waren ca. 15.000 Zuschauer vor der Bühne.

Nur 5 der 9 für heute angekündigten Gruppen waren aufgetreten, und die meisten davon aufgrund des Wetters viel kürzer als geplant. Die Veranstalter befürchteten Ausschreitungen, doch das Publikum blieb relativ gelassen. Die meisten hatten die Hoffnung morgen einige der Stars zu sehen, wegen derer sie gekommen waren, nicht zuletzt natürlich Jimi Hendrix.
In dieser Nacht machten die Rocker erneut Randale. Sie zerstörten einen der Wohncontainer der Festivalleitung, weil sie immer noch kein Geld für ihre "Ordnerdienste" erhalten hatten. Es wurde die Entscheidung getroffen, die "Ordner" auszuzahlen. 150 DM sollten sie pro Nase bekommen, und daraufhin das Festival verlassen. Nicht alle Rocker verließen Fehmarn, aber immerhin schien die Maßnahme Wirkung zu zeigen. Zumindest die lästigen Eingangskontrollen ließen deutlich nach (obwohl EMBRYO noch am nächsten Abend von einer ebensolchen in Empfang genommen wurden siehe hier).

Die Erkenntnisse dieses ersten Tages beim Love & Peace Open Air:
- Die Veranstalter haben eine Riesenbühne bauen lassen, eine extrem teure Sound-Anlage aus England gemietet, aber dann die Bühne so aufgestellt, daß die (in dieser Jahreszeit üblichen) starken Nord-Ost Winde den Sound von den Zuschauern "wegbliesen".
- Die Veranstalter hatten große Zelte als Notunterkünfte aufstellen lassen, aber diese wurden kaum genutzt, da sie viel zuweit weg waren vom Festivalgelände.
-Die Veranstalter hatten sich offensichtlich total übernommen und hatten große finanzielle Probleme.

Ab Freitag abend entwickelte das Festival schließlich eine Art Eigendynamik, und entzog sich in großen Teilen der Kontrolle durch die Veranstalter.....